Warum loben wichtig ist?

Jeder Mensch braucht Lob und Anerkennung, egal ob Kind oder Erwachsener.

Lob hat verschiedene positive Effekte.

  1. es fungiert als Rückmeldung
  2. fördert das Selbstvertrauen des Kindes
  3. das Kind lernt seine Fähigkeiten besser kennen
  4. führt zu mehr Anstrengungsbereitschaft
  5. schafft eine angenehme Atmosphöre
  6. verbessert die Beziehung zum Kind
  7. steigert die Motivation des Kindes
  8. führt dazu, dass gewünschtes Verhalten wieder gezeigt wird

Durch viele positive Erfahrungen und Rückmeldungen werden Kinder gestärkt, damit sie zukünftig leichter mit Kritik von aussen umgehen können.

Die Rückmeldung, die wir von anderen erhalten prägt unser Denken, Handeln und ist, wie bereits erwähnt, entscheidend für unser Selbstwertgefühl. Ziemlich wahrscheinlich begegnen Ihnen selbst im Alltag Gedanken wie: „Sieht eigentlich niemand, was ich täglich leiste?“, „Keiner schätzt meine Arbeit!“, „Bin ich gut genug?“, etc. Wie entstehen diese Gedanken? Meist, weil wir zu wenig positive Rückmeldung und Lob im Alltag erhalten, weil es jeder als selbstverständlich erachtet, was wir tun und durch Kritik verunsichert werden.

Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie erledigen täglich Ihre Aufgabe im Job pflichtbewusst, zeitig, und korrekt. An einem Tag geht alles ein wenig drunter und drüber und es unterläuft Ihnen ein Fehler. Ihr Chef kommt und macht Sie auf den Fehler aufmerksam, mit dem Zusatz: „Das darf nie wieder vorkommen!“. Wie fühlen Sie sich? Fühlen Sie sich für Ihre bisherige Arbeit wertgeschätzt? Wie gehen Sie zukünftig an Aufgaben heran? Fühlen Sie sich bestärkt, motiviert und selbstsicher? Oder haben Sie Angst, den selben Fehler wieder zu machen?

Nun stellen Sie sich erneut vor, Sie erledigen täglich Ihre Arbeit im Job, pflichtbewusst, zeitig und korrekt. Täglich erhalten sie einen Dank, ein positives Feedback oder eine liebe Rückmeldung, z.B. „diesen Brief haben sie gut formuliert“, „ich schätze es sehr an Ihnen, dass Sie so gut in Rechtschreibung sind“, „schön, dass sie so pünktlich zum Meeting erscheinen“, etc.  An einem Tag geht alles drunter und drüber und es unterläuft Ihnen ein Fehler. Ihr Chef kommt zu Ihnen und macht Sie auf den Fehler aufmerksam mit dem Zusatz: „Das kann mal passieren, ich weiss sie leisten jeden Tag gute Arbeit!“. Wie fühlen Sie sich nun? Wie gehen Sie zukünftig mit Fehlern um? Und wie gehen Sie zukünftig an die Arbeit heran?

Wir sehen uns nun ein alltägliches Beispiel mit Kindern an:

Eine Hausregel ist, dass jeder nach dem Essen sein Teller abräumt und in den Geschirrspüler gibt. Von 7 Tage in der Woche denkt Ihr Kind 4 Mal daran seinen Teller abzuräumen. 3 Mal vergisst er oder sie es.
Variante 1: Wir machen das Kind darauf aufmerksam und sagen: „Heute hast du schon wieder deinen Teller vergessen abzuräumen!“. Wie fühlt sich das Kind nun? Ist es motiviert das nächste Mal daran zu denken? Denn die anderen 4 Mal an die er oder sie gedacht hat, wurden auch nicht wahrgenommen? Also, wozu noch anstrengen?
Variante 2: Jedes Mal, wenn das Kind an den Teller denkt, spreche ich ein liebevolles, ernstgemeintes und passendes Lob aus, z.B. „Toll, heute hast du schon das dritte Mal diese Woche an deinen Teller gedacht“, „Schön, wie selbständig und gross du schon geworden bist“.  Was lernt das Kind nun aus der Situation? Ist es zukünftig motiviert, den Teller wieder abzuräumen? Vielleicht möchte es nächste Woche einen neuen Rekord erreichen und 5 Mal daran denken.

Lob verändert nicht nur das Selbstbewusstsein und die Haltung meines Gegenübers, sonder verändert auch meine Wahrnehmung und innere Haltung zum anderen. Unsere Gesellschaft neigt dazu, sich auf Fehler zu konzentrieren. Wir haben verlernt, die positiven Dinge zu sehen und nehmen sie als selbstverständlich.

Erneut das Bespiel mit dem Abräumen: Die Aufgabe der Kinder ist es, nach dem Essen ihren Teller abzuräumen. 1 Kind steht auf und verräumt den Teller wie vereinbart, das andere Kind verlässt den Tisch, ohne seinen Teller abzuräumen. Wie reagieren die meisten? Wir tadeln das Kind, welches seinen Teller nicht abgeräumt hat! Wir nehmen das Kind, dass seine Aufgabe pflichtbewusst erledigt hat nicht bewusst war. Anstatt „L. komm zurück und räume deinen Teller ab“, könnten Sie sagen „S. super, dass du deinen Teller mitgenommen hast“.

Durch das Loben, beginnen wir vermehrt unsere Aufmerksamkeit auf die positiven Dinge zu lenken und gehen positiver und optimistischer auf andere zu. Probieren Sie es aus? Es klappt auch mit den herumliegenden Socken des Partners 😉

Wenn Sie Ihr Kind bestärken und zu einem selbstbewussten Kind erziehen möchten, versuchen Sie Ihren Blickwinkel zu ändern und zu sehen, was bei Ihnen Zuhause bereits alles gut läuft und was Ihr Kind schon alles toll macht. Dies wird nicht nur Ihr Kind verändern, sondern auch Sie.

Und nun werden wir konkret: Nehmen Sie sich täglich Zeit für Ihr Kind ein spezielles, auf ihn/sie abgestimmtes Lob auszusprechen. Häufig bietet sich dazu eine ritualisierte Zeit an, z.B. beim Zubettgehen. Überlegen Sie sich, was heute besonders toll war, worauf Sie stolz sind, was ihr Kind gut kann!

Autor: Bianca Koblinger